Adlershof: Schaden in Millionenhöhe, doch kaum Unternehmen wollen Berlin verlassen

24.03.2026


Der Stromausfall im Berliner Technologiepark Adlershof infolge eines Brandanschlags im Südosten der Stadt hat bei den dort ansässigen Unternehmen Schäden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht, bremst das Wachstum des Standorts aber nur begrenzt. Der Betreiber des Parks, Wista, schätzt die wirtschaftlichen Einbußen auf insgesamt 30 bis 70 Millionen Euro. Genaue Angaben seien nicht möglich, da die Auswirkungen je nach Unternehmensgröße und -profil stark voneinander abweichen, sagte Wista-Chef Roland Sillmann.

Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Anschlag auf einen Strommast, der den Südosten Berlins über mehrere Tage weitgehend lahmlegte. Ein Bekennerschreiben, das auf der linksextremen Internetseite "Indymedia" veröffentlicht und von der Polizei als authentisch eingestuft wurde, richtete sich demnach gezielt gegen die Technologiefirmen in Adlershof. In dem Wissenschafts- und Wirtschaftscluster sind mehr als 1.300 Unternehmen ansässig, darunter zahlreiche Start-ups und wissenschaftliche Institute.

Trotz der Schäden reagierten die meisten Firmen nach Angaben des Betreibers nicht mit Abwanderungsplänen, sondern mit erhöhter Bereitschaft, in Krisenvorsorge zu investieren. "Wir sehen eher eine Trotzreaktion: Jetzt erst recht", sagte Sillmann. Ein Großteil der Betriebe habe damit begonnen, Schadensanalysen und Notfallpläne zu erarbeiten oder bestehende Konzepte grundsätzlich zu überarbeiten. Im Fokus stehen unter anderem zusätzliche Notstromaggregate, Stromspeicher und Möglichkeiten zur Eigenversorgung, etwa über Solaranlagen auf den Firmendächern.

Der Vorfall hat zugleich eine Debatte über die Versorgungssicherheit an dem Hightech-Standort angestoßen. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erklärte, der Berliner Senat arbeite gemeinsam mit dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin daran, redundante Sicherheitssysteme in Adlershof zu stärken. Ziel sei es, die technischen Infrastrukturen robuster gegen Störungen und gezielte Angriffe zu machen. Trotz der Belastungen blieb die wirtschaftliche Entwicklung des Parks robust: Die Unternehmen in Adlershof erwirtschafteten im vergangenen Jahr rund 4,2 Milliarden Euro Umsatz, rund fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Nach Einschätzung von Wista wäre das Wachstum ohne den Stromausfall um etwa zwei Prozentpunkte höher ausgefallen.

Verdi erhöht Druck auf Awo NRW: Eltern müssen sich auf Ausfälle in Kitas einstellen

24.03.2026


Wegen eines landesweiten Warnstreiks bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) müssen Eltern in Nordrhein-Westfalen heute mit teils erheblichen Einschränkungen in der Kinderbetreuung rechnen. Betroffen sind Einrichtungen in Trägerschaft der Awo, darunter nach Verbandsangaben 840 Kindertagesstätten und 519 offene Ganztagsschulen (OGS) an Grundschulen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen, um im laufenden Tarifkonflikt vor der nächsten Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen.

In den Kitas und Ganztagsangeboten kann es nach Verdi-Angaben zu Gruppenzusammenlegungen und temporären Schließungen kommen. Nicht alle Standorte sind gleichermaßen betroffen, da die Teilnahme am Warnstreik freiwillig ist und regional unterschiedlich ausfallen kann. In Köln, Bochum und Herford sind Kundgebungen der Streikenden angekündigt, mit denen Verdi die Tarifforderung unterstreichen will. Die Gewerkschaft verlangt monatlich 500 Euro brutto mehr für alle Beschäftigten; darüber hinaus fordert sie einen zusätzlichen Aufschlag von 300 Euro brutto, deren genaue Ausgestaltung in den vorliegenden Texten nicht weiter ausgeführt wird.

Das nordrhein-westfälische Familien- und Schulministerium verweist angesichts der Ausstände auf die Verantwortung der Träger und Einrichtungen vor Ort. Eltern sollten eng mit ihren Kitas und OGS-Angeboten in Kontakt bleiben, um aktuelle Informationen über Ausfälle, verkürzte Öffnungszeiten oder Notgruppen zu erhalten. Für Kinder, deren Eltern zwingend auf Betreuung angewiesen sind, können Träger nach eigenen Angaben Notbetreuungen organisieren. Familien werden angehalten, sich frühzeitig mit der jeweiligen Einrichtung oder, falls nötig, mit dem zuständigen Jugendamt über alternative Betreuungsmöglichkeiten abzustimmen.

Auch im Bereich der offenen Ganztagsschulen setzt das Schulministerium auf lokale Lösungen. In vielen Betreuungsverträgen seien Regelungen zu unvorhergesehenen Ausfällen wie Streiktagen hinterlegt, etwa zur Einrichtung einer Notbetreuung. Parallel zu dem Konflikt bei der Awo läuft ein weiterer Tarifstreit im kommunalen Nahverkehr. Dort sind für die betroffenen Beschäftigten derzeit keine neuen Warnstreiks angekündigt; für diese Gruppe steht nun die dritte Verhandlungsrunde an. Damit konzentrieren sich die aktuellen Arbeitskampfmaßnahmen im Land vor allem auf die sozialen Dienste der Awo und treffen unmittelbar den Alltag zahlreicher Familien.