Thyssenkrupp: Verhandlungen mit Jindal Steel und operative Herausforderungen

10.03.2026


Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp befindet sich in einer kritischen Phase des Umbaus, die durch mehrere zeitlich überlappende strategische Entscheidungen geprägt ist. Im Zentrum stehen die Zukunft der Handelssparte Materials Services und die Verkaufsverhandlungen für die Stahlsparte Steel Europe mit dem indischen Konzern Jindal Steel. Diese parallelen Prozesse erhöhen die Unsicherheit bei Anlegern, was sich im Aktienkurs widerspiegelt, der in den letzten 30 Tagen um 15,30% gefallen ist und zuletzt bei 9,23 Euro notierte.

Bei Materials Services, einer Einheit mit einem Umsatz von 11,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2024/25 und über 15.000 Beschäftigten, steht eine zentrale Portfolio-Entscheidung an. Das Management prüft Optionen wie einen Börsengang (IPO) im Herbst 2026, eine Abspaltung oder einen vollständigen Verkauf. Entscheidend dafür ist die operative Performance im laufenden zweiten Geschäftsquartal, das Ende März endet. Ohne spürbare Verbesserungen bleibt die Richtung offen, was den Druck auf die Sparte erhöht.

Parallel laufen exklusive Gespräche mit Jindal Steel über den möglichen Verkauf von Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE). Ein Due-Diligence-Prozess ist im Gange, und wichtige Zwischenschritte wurden bereits umgesetzt, darunter ein Tarifvertrag zur Stahl-Neuausrichtung im Dezember 2025 und ein Term Sheet mit Salzgitter im Februar 2026 zur Übertragung der HKM-Anteile, die zum 1. Juni 2026 geplant ist. Diese Verhandlungen finden vor dem Hintergrund hoher Restrukturierungskosten statt; im ersten Quartal 2025/26 fielen bei Steel Europe 401 Millionen Euro an, was zu einem Nettoverlust von 334 Millionen Euro beitrug. Für das Gesamtjahr 2025/26 erwartet der Konzern einen Nettoverlust zwischen 400 und 800 Millionen Euro.

Ein weiterer Rückschlag betrifft die Dekarbonisierungsstrategie: Thyssenkrupp hat das Ausschreibungsverfahren für grünen Wasserstoff vorerst gestoppt, da die Angebote deutlich über den wirtschaftlich vertretbaren Kalkulationen lagen. Dies betrifft Pläne für eine Direct Reduction Iron (DRI)-Anlage im Duisburger Werk, die zentral für die Umstellung auf CO₂-arme Stahlproduktion ist. Trotz dieses Dämpfers hält der Konzern am Bau der Anlage fest und verweist auf Lichtblicke wie einen neuen Liefervertrag mit BMW für CO₂-reduzierten Stahl ab 2026. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Thyssenkrupp die operativen und strategischen Herausforderungen meistern kann, um den Umbau erfolgreich zu gestalten.

Beben bei Thüringer BSW: Augsten räumt Fraktionsvorsitz

14.03.2026


In der Thüringer Landtagsfraktion des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steht ein Führungswechsel an. Fraktionschef Frank Augsten hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 67-Jährige, der den Vorsitz erst seit Dezember 2024 innehatte, will das Amt in den kommenden Wochen an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben und die laufenden Geschäfte bis dahin noch weiterführen. Wer die Fraktionsspitze künftig übernimmt, ist nach Angaben aus Fraktionskreisen bislang offen.

Augsten begründete seinen Schritt nach übereinstimmenden Berichten aus Partei- und Fraktionskreisen mit persönlichen Gründen und dem Wunsch, sich wieder stärker seiner fachlichen Arbeit in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik zu widmen. "Im Landwirtschaftsbereich brennt gerade die Luft", sagte der Agrarwissenschaftler mit Blick auf Betriebe, die wegen eines Streits mit der EU mit hohen Rückforderungen konfrontiert sein sollen. Für das BSW sitzt er im Landwirtschafts- und im Umweltausschuss und fungiert als agrarpolitischer Sprecher der Fraktion.

Der frühere Grünen-Politiker hatte bereits eine längere politische Laufbahn hinter sich, bevor er 2024 zum BSW wechselte. Zwischen 2009 und 2014 saß Augsten für Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag und war zeitweise Co-Vorsitzender der Landespartei. Zwischen seinen Mandatszeiten arbeitete der studierte Agraringenieur unter anderem als Referatsleiter im Thüringer Landwirtschaftsministerium und später als kommissarischer Präsident der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Im BSW übernahm er den Fraktionsvorsitz, nachdem Katja Wolf im Zuge der Regierungsbildung Ministerin geworden war.

Die Personalie trifft eine Fraktion, die nach der Landtagswahl 2024 mit 15,8 Prozent der Stimmen aus dem Stand zur drittstärksten Kraft im Erfurter Parlament aufgestiegen war und bislang als vergleichsweise geschlossen galt. Das BSW ist Teil der sogenannten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD. Das Bündnis unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) verfügt mit 44 der 88 Sitze über keine eigene Mehrheit und ist deshalb immer wieder auf Unterstützung aus der Opposition von Linken und AfD angewiesen. Innerhalb der Koalition hatten zuletzt vor allem der Umgang mit AfD-Anträgen und die Frage, ob „inhaltlich gute Anträge“ der AfD in Fachausschüsse überwiesen werden sollen, für Spannungen gesorgt. Augsten hatte sich öffentlich für eine inhaltliche Prüfung solcher Vorlagen ausgesprochen, während insbesondere die SPD-Fraktion eine solche Linie ablehnt.