Hundert-Millionen-Risiko: Land fürchtet Folgen der neuen Trassenpreise

26.03.2026


Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Berechnung sogenannter Trassenpreise stellt den Schienen-Nahverkehr in Baden-Württemberg vor erhebliche finanzielle Risiken. Das Land rechnet mit Mehrbelastungen von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr, sollte der Bund keine zusätzlichen Mittel bereitstellen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) warnt, ohne Ausgleich drohten spürbare Einschnitte im S-Bahn- und Regionalverkehr sowie steigende Fahrkartenpreise.

Trassenpreise sind Entgelte, die Verkehrsunternehmen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur an den Netzbetreiber – im Fern- und Regionalverkehr die Deutsche Bahn – zahlen. Bislang waren diese Entgelte und ihre Erhöhungen im Regionalverkehr gedeckelt, um die Kosten für die Länder zu begrenzen. Die Preisbremse wirkte zulasten von Güter- und Fernverkehr. Diese deutsche Berechnungsmethode erklärte der EuGH nun für nicht vereinbar mit EU-Recht, weil eine starre mathematische Deckelung der Entgelte gegen europäische Vorgaben verstoße.

Auslöser des Verfahrens war eine Klage der DB-Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo gegen die von der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr eingeführte Preisbremse. Die Regulierungsbehörde hatte damit verhindern wollen, dass die Trassenentgelte den öffentlichen Nahverkehr finanziell überfordern. Nach dem Luxemburger Urteil hat jedoch die Bahn-Tochter Recht bekommen, die Deckelung ist in der bisherigen Form nicht zulässig. Damit steigt der Spielraum für höhere Trassenpreise, was die Kostenbasis der regionalen Aufgabenträger unmittelbar verändert.

Nach Schätzungen des baden-württembergischen Verkehrsministeriums könnte infolge des Urteils etwa jeder zehnte Zug im Land zur Disposition stehen. In pessimistischeren Szenarien ist sogar von bis zu 20 Prozent der Verbindungen die Rede. "Wenn es schlecht läuft, müssten wir also jeden fünften Zug abbestellen", sagte Hermann. Ohne ein Gegensteuern durch den Bund stehen die Länder vor der Wahl, Leistungen im Nahverkehr zusammenzustreichen, Ticketpreise anzuheben – oder zusätzliche Haushaltsmittel umzuschichten.

KSB-Zahlen überzeugen, Ausblick irritiert – Spagat zwischen Wachstum und Risiko

26.03.2026


KSB hat ein aus finanzieller Sicht starkes Jahr 2025 abgeliefert, bekommt dafür an der Börse aber keinen Applaus. Trotz Rekordwerten bei Umsatz und Auftragseingang sowie einem zweistelligen Gewinnanstieg rutschte die Aktie im frühen Handel zeitweise um mehr als zwölf Prozent ab und fiel auf rund 1.015 Euro. Auslöser sind vor allem ein ausgesprochen vorsichtiger Ausblick für 2026 und eine Dividendenpolitik, die hinter den Erwartungen vieler Anleger zurückbleibt.

Operativ präsentierte sich der Pumpen- und Armaturenhersteller robust. Der Umsatz stieg um 2,3 Prozent und überschritt erstmals die Marke von drei Milliarden Euro. Wachstumstreiber war insbesondere das Pumpengeschäft. Der Auftragseingang legte um gut zwei Prozent auf einen Rekordwert von rund 3,2 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich um etwas mehr als drei Prozent auf 252 Millionen Euro, der Jahresüberschuss kletterte um 13 Prozent auf 166,4 Millionen Euro.

Bei der Ausschüttung setzt das Management gleichwohl auf Kontinuität: Der Hauptversammlung im Mai sollen 26,50 Euro je Stammaktie und 26,76 Euro je Vorzugsaktie vorgeschlagen werden, jeweils auf dem Niveau des Vorjahres. Angesichts des Ergebnisanstiegs hatten Marktteilnehmer im Schnitt mit einer Anhebung gerechnet. Die unveränderte Dividende wurde daher als enttäuschend gewertet und wirkte zusammen mit dem verhaltenen Ausblick als Belastungsfaktor für den Kurs.

Der Ausblick für 2026 spiegelt ein hohes Maß an Unsicherheit wider. Beim Auftragseingang stellt KSB eine Spanne von 3,1 bis 3,5 Milliarden Euro in Aussicht – nach dem Rekord von 3,2 Milliarden Euro im Vorjahr ist damit sowohl ein Rückgang als auch ein neues Hoch denkbar. Der Umsatz soll zwischen 2,9 und 3,2 Milliarden Euro liegen, das EBIT zwischen 220 und 265 Millionen Euro. Konzernchef Stephan Timmermann verwies auf ein angespanntes geopolitisches Umfeld; der Krieg im Mittleren Osten sowie spürbar steigende Energie- und Logistikkosten dürften sich bereits in den ersten Monaten des laufenden Jahres auf die Kennzahlen auswirken.

Die ungewöhnlich breiten Prognosebandbreiten signalisieren, dass KSB zwar an strukturelles Wachstum glaubt, kurzfristige Risiken aber deutlich höher gewichtet als in der Vergangenheit. Für Investoren ergibt sich damit ein ambivalentes Bild: Auf der einen Seite stehen solide Fundamentaldaten und ein Rekordauftragspolster, auf der anderen Seite eine vorsichtige Guidance und eine stabile, aber nicht erhöhte Dividende. Der heftige Kursrückgang zeigt, dass der Markt derzeit eher die Risiken als die Chancen in den Vordergrund stellt.